Kunst und Religion
Tanz und Distanz im Werk von Dieter Wagner
In Zeiten zunehmender Abschottung der Religionen voneinander, Phänomenen wie dem Karikaturenstreit, der öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung um die Schweizer Kunststudentin Fleur Stoecklin und den schwarzen Kubus Gregor Schneiders, sowie der jüngst vom bayerischen Ministerpräsidenten geforderten Verschärfung des Paragraphen 166 StGB ist ein Zusammenwachsen differenter religiöser Ausrichtung oder auch nur eine Zunahme an Toleranz kaum sichtbar.
Umso utopischer mutet eine Acrylserie friedlich miteinander Ringelrein tanzender Gestalten des Konstanzer Künstlers Dieter Wagner an, die mit dem schlichten Titel „Weltreligionen“ gelegentlich mehr Kopfschütteln hervorruft als die nicht selten geschmacksfremden Provokationen mancher Kollegen seiner Zunft. Doch das ist dem Künstler nicht neu. Bekannt wurde Wagner unter anderem mit einer Mitte der 70er Jahre ins Leben gerufenen Bilderserie, die sich in zahlreichen Variationen mit gesprengten Schranken, verlassenen Zollstellen, explodierenden Mauern und nutzlos gewordenen Stacheldrahtzäunen auseinander setzte. In den „Gärten, in denen es keine Grenzen mehr gibt“ war eine Utopie angedacht, der alle damalige Realität widersprach. Lange Jahre vor Glasnost und Perestroika erschien eine Vision offener Grenzen noch naiv und weltfern. Die Geschichte jedoch ließ die Skeptiker zum Glück ihre eigenen Worte schlucken und den Künstler Recht behalten.
Man sollte hoffen, Wagners Vision des naiv-glückseligen Kindertanzes der großen Weltreligionen miteinander würde sich nicht weniger in reale Verhältnisse übersetzen als es seine grenzfreien Gärten taten. Dass aller Tanz hier gegenwärtig jedoch weniger harmonisch verläuft, daran lässt der Titelzusatz „dis-tanz“ wenig Zweifel. Wagner formuliert es so: “Wenn es um Leben und Tod geht, um wesentliches Sein und verwesendes Haben, wenn wir uns mit dem Unerklärlichen auseinandersetzen, dann gibt es keinen Grund, Gewalt walten zu lassen: Weil wir alle mit diesen schweren Fragen zunächst ganz allein sind, und auf einer gedanklichen Ebene trotzdem gemeinsam Hilfe suchen. Verbindlich. Islam, Judentum, Christentum, Hinduismus und Buddhismus z.B. können friedlich miteinander auskommen. - Die Schokoladenseite der Erde schmilzt nicht gleich dahin wie unsere Gletscher, sobald wir vitale Träume ernst nehmen. Ganz im Gegenteil: möglicherweise wird der Graben, der die Menschheit heute noch durchquert, morgen endlich weniger tief.”
Dieter Wagner schaut mittlerweile auf eine rund 40-jährige Schaffenskarriere zurück. Von 1966 bis 1996 lebte er abwechselnd in Paris, Berlin und Chicago und entwickelte als praktizierender Weltbürger einen kosmopolitischen Stil mit großer Tendenz zur politischen Utopie. Verschiedene Gastprofessuren in den USA manifestierten seinen individuellen philosophisch-kunsttheoretischen Ansatz, den er 1996 in seinem Buch „Himmel und Erde“ ausformulierte.

***
Dieter Wagner wird vertreten durch Alienus Mediaconsulting, Bonn.
Weitere Informationen über den Künstler finden sich unter www.dieterwagner.com.
Copyright Alienus Mediaconsulting
Schlagworte: künstler, kunst, kunstmarketing, malerei, religion